Fachinformatiker Daten- und Prozessanalyse

Projektarbeit Fachinformatiker Daten- und Prozessanalyse: Projektantrag, Dokumentation, Präsentation

Auf einen Blick

Nächster schriftlicher Termin Teil 2
(Winter 2026/27)
Planen und Durchführen eines Projektes der Datenanalyse
50 %betrieblich + mündlich · betriebliche Projektarbeit höchstens 40 Stunden einschließlich Dokumentation
Durchführen einer Prozessanalyse
10 %schriftlich · 90 Minuten (§ 29)
Sicherstellen der Datenqualität
10 %schriftlich · 90 Minuten (§ 30)
Wirtschafts- und Sozialkunde
10 %schriftlich · 60 Minuten (§ 31)
Bezug der Prozente
Anteil am Gesamtergebnis der Abschlussprüfung
Bestanden, wenn
  • Gesamtergebnis von Teil 1 und Teil 2 mindestens ausreichend (50 Punkte)
  • Ergebnis von Teil 2 mindestens ausreichend
  • In mindestens drei der vier Prüfungsbereiche von Teil 2 mindestens ausreichend
  • In keinem Prüfungsbereich von Teil 2 ungenügend (unter 30 Punkten)

Prüfungsregeln: Verordnung über die Berufsausbildung zum Fachinformatiker und zur Fachinformatikerin (§ 9, §§ 27–31, § 32) · Termine: IHK-AkA (Aufgabenstelle für kaufmännische Abschluss- und Zwischenprüfungen) (ohne Gewähr; verbindlich ist die Einladung deiner IHK)

Die Regeln auf einen Blick

Dein Projekt läuft im Prüfungsbereich „Planen und Durchführen eines Projektes der Datenanalyse“. Er besteht aus zwei Teilen: der Arbeit im Betrieb und dem Auftritt vor dem Prüfungsausschuss (§ 28 Abs. 1).

PunktRegelFundstelle
Anteil an der Endnote50 %§ 32 Abs. 1 FIAusbV
Projektarbeit samt Dokumentationhöchstens 40 Stunden§ 28 Abs. 2
Präsentationsoll höchstens 15 Minuten dauern§ 28 Abs. 3
Präsentation und Fachgesprächzusammen höchstens 30 Minuten§ 28 Abs. 3
Gewichte im Bereicherster Teil 50 %, zweiter Teil 50 %§ 28 Abs. 4

Ein Punkt im Projekt zählt fünfmal so viel wie ein Punkt in einem der schriftlichen Bereiche. Gute Planung lohnt sich hier also am meisten.

Was dein Projekt zeigen muss

Für den ersten Teil zählt § 28 Abs. 2 FIAusbV fünf Fähigkeiten auf. Plane dein Thema so, dass jede davon in der Doku auftaucht:

  1. die Anforderungen des Kunden analysieren
  2. die Umsetzung planen, betriebliche Prozesse beachten, bestehende Regeln einhalten
  3. Daten identifizieren, klassifizieren, modellieren, statistisch und mit Vorhersagemodellen analysieren, die Datenqualität sichern
  4. die Ergebnisse aufbereiten und Möglichkeiten zur Optimierung zeigen
  5. das Projekt anforderungsgerecht dokumentieren

Punkt 3 ist der Kern deiner Fachrichtung. Ein Projekt, das nur Daten von A nach B kopiert, deckt ihn nicht ab.

Schritt 1: Die Projektbeschreibung

Vor dem Start reichst du die Projektbeschreibung ein. Im Betrieb heißt sie meist Projektantrag. Drei Teile sind Pflicht (§ 28 Abs. 2):

  • Ausgangssituation: Welche Frage hat der Auftraggeber? Welche Daten gibt es dazu?
  • Projektziel: Welche Erkenntnis oder Verbesserung soll am Ende stehen? Woran misst man sie?
  • Zeitplanung: In welche Phasen teilst du die Arbeit, mit wie vielen Stunden je Phase?

Erst nach der Genehmigung durch den Prüfungsausschuss legst du los. Wann und wie du einreichst, sagt dir deine IHK.

So prüfst du dein Thema

Ein gutes Projekt hat eine offene Frage, auf die erst die Daten eine Antwort geben. Frag dich vor dem Antrag:

  • Gibt es einen Auftraggeber, der mit dem Ergebnis etwas entscheidet?
  • Stammen die Daten aus dem Betrieb, und darfst du sie nutzen?
  • Musst du die Daten erst prüfen und bereinigen?
  • Wählst du zwischen mindestens zwei Verfahren oder Modellen?
  • Lässt sich das Ergebnis an einer Kennzahl messen?

Beispiel (von uns): Ein Versandlager will wissen, an welchen Tagen es mehr Personal braucht. Du führst die Auftragsdaten aus zwei Systemen zusammen und prüfst sie auf Lücken und Dubletten. Danach vergleichst du zwei Prognosemodelle für die Tagesmenge und empfiehlst eines davon. Zum Schluss schlägst du einen neuen Schichtplan vor.

Ein Thema aus deinem Einsatzgebiet liegt nahe. Die Verordnung nennt fünf: Prozessoptimierung, Prozessmodellierung, Qualitätssicherung, Medienanalyse und Suchdienste. Welches für dich gilt, legt dein Betrieb fest (§ 5 Abs. 3 und 5).

Schwache Stellen im Antrag zeigt dir der Projektantrag-Check mit acht Fragen.

Schritt 2: Die 40 Stunden einteilen

Mehr als 40 Stunden für Arbeit und Doku sind nicht erlaubt. Datenarbeit frisst gern Zeit beim Bereinigen. Plane dafür ausdrücklich Stunden ein. Ein mögliches Raster:

PhaseStunden
Auftrag klären, Anforderungen aufnehmen4
Datenquellen sichten, Datenschutz klären4
Daten zusammenführen und bereinigen8
Analyse und Vergleich der Modelle10
Ergebnisse aufbereiten, Empfehlung4
Dokumentation10
Summe40

Halte jeden Tag fest, wie viele Stunden du wirklich gebraucht hast. Im Fachgespräch erklärst du damit, wo der Plan nicht aufging.

Schritt 3: Datenqualität und Datenschutz

Die Datenqualität verlangt § 28 Abs. 2 Nr. 3 ausdrücklich. Der Datenschutz ist eine Berufsbildposition deiner Fachrichtung (§ 4 Abs. 5 Nr. 4 FIAusbV). Zeig in der Doku drei Dinge:

  • Prüfung: Wie viele Werte fehlten, waren doppelt oder unplausibel?
  • Behandlung: Was hast du mit ihnen gemacht, und warum?
  • Schutz: Welche Daten beziehen sich auf Personen? Wie hast du sie geschützt, etwa durch Pseudonyme?

Eine kleine Tabelle mit den Zahlen vor und nach der Bereinigung macht das sichtbar.

Schritt 4: Die Dokumentation

Deine Dokumentation samt praxisbezogener Unterlagen wird mit der Projektarbeit bewertet. Umfang, Form und Abgabeweg bestimmt deine IHK. Lies ihre Vorgaben, bevor du anfängst.

Ein möglicher Aufbau:

  1. Auftrag, Ziel und Abgrenzung
  2. Datenquellen und Datenmodell
  3. Prüfung und Bereinigung der Daten
  4. Gewählte Verfahren mit Begründung
  5. Ergebnisse mit Diagrammen und Kennzahlen
  6. Empfehlung zur Optimierung
  7. Vergleich von geplanter und gebrauchter Zeit, Fazit

Praxisbezogene Unterlagen sind etwa das Datenmodell, ein Auszug der Abfragen, Diagramme und das Protokoll der Bereinigung. Sie kommen hinter den Text.

Schritt 5: Präsentation und Fachgespräch

Vor dem Ausschuss erklärst du deine Ergebnisse so, dass auch Fachfremde sie verstehen. Danach begründest du dein Vorgehen im Gespräch (§ 28 Abs. 3).

So füllst du 15 Minuten:

  • die Frage des Auftraggebers in einem Satz
  • welche Daten du hattest und wie gut sie waren
  • das Ergebnis als ein bis zwei klare Diagramme
  • deine Empfehlung und was sie bringt
  • was du mit mehr Zeit noch prüfen würdest

Fragen, auf die du dich vorbereiten kannst (Beispiele von uns):

  • Warum hast du dieses Modell gewählt und nicht das andere?
  • Wie hast du geprüft, ob dein Modell auch neue Daten gut vorhersagt?
  • Was hast du mit den fehlenden Werten gemacht?
  • Wie stellst du sicher, dass keine Person erkennbar ist?
  • Was kostet deine Empfehlung, und was spart sie?

Rechne auch mit Fragen neben dem Projekt. Dafür lohnt ein Blick in die Lernfelder 10 bis 12 der Berufsschule: maschinelles Lernen, Prozesse analysieren und kundenspezifische Prozess- und Datenanalyse.

Wann das Projekt reicht

Mit dem Projekt allein bestehst du nicht. § 32 Abs. 2 verlangt ein ausreichendes Gesamtergebnis und ein ausreichendes Ergebnis in Teil 2. Mindestens drei der vier Bereiche von Teil 2 brauchen 50 Punkte. Unter 30 Punkten darf keiner liegen, auch nicht das Projekt.

Eine mündliche Ergänzung für das Projekt sieht § 33 nicht vor. Die drei Klausuren beschreibt die Seite Abschlussprüfung Teil 2 Fachinformatiker Daten- und Prozessanalyse. Welche Projektnote du für dein Ziel brauchst, zeigt der Prüfungsrechner. Tipps für den Auftritt vor dem Ausschuss stehen auf der Seite Mündliche Prüfung.

Termine und Hilfe

Antrag, Abgabe der Doku und Präsentation terminiert deine IHK. Deine drei Klausuren von Teil 2 sind am 25.11.2026. Kommst du bei Statistik oder Datenbanken nicht weiter, gibt es Nachhilfe per Video.

Prüfungsvorbereitung Fachinformatiker Daten- und Prozessanalyse

Ein paar Prüfungstage entscheiden über die Note in deinem IHK-Zeugnis – und darüber, ob du ein Jahr dranhängst. Üb die Prüfung deshalb vorher, im Format, in dem sie kommt.

Für Fachinformatiker Daten- und Prozessanalyse gibt es derzeit keinen ErfolgsAzubi-Kurs. Was es gibt: alle Termine mit Erinnerung, der Notenrechner nach deiner Ausbildungsordnung und die Hinweise zur Prüfungsangst.

Häufige Fragen: Projektarbeit – Fachinformatiker Daten- und Prozessanalyse

Wie viele Stunden hat das Abschlussprojekt in der Daten- und Prozessanalyse?

Höchstens 40 Stunden für Projektarbeit und Dokumentation zusammen (§ 28 Abs. 2 FIAusbV). Die Anwendungsentwicklung hat 80 Stunden, die Systemintegration ebenfalls 40. Präsentation und Fachgespräch kommen danach und zählen nicht zu den 40 Stunden.

Was muss im Projektantrag stehen?

Die Ausgangssituation, das Projektziel und eine Zeitplanung (§ 28 Abs. 2 FIAusbV). Die Verordnung nennt den Antrag Projektbeschreibung. Der Prüfungsausschuss muss ihn genehmigen, bevor du beginnst. Formular und Frist bestimmt deine IHK.

Muss im Projekt Statistik oder maschinelles Lernen vorkommen?

Die Verordnung verlangt, Daten mit statistischen Verfahren und mathematischen Vorhersagemodellen zu analysieren (§ 28 Abs. 2 Nr. 3 FIAusbV). Ein bestimmtes Verfahren schreibt sie nicht vor. Wähle eines, das zu deiner Frage passt, und begründe die Wahl.

Wie lange dauern Präsentation und Fachgespräch?

Zusammen höchstens 30 Minuten. Die Präsentation soll höchstens 15 Minuten dauern (§ 28 Abs. 3 FIAusbV). In der übrigen Zeit fragt der Ausschuss zu deinem Projekt und deinen Ergebnissen.

Wie viel zählt das Projekt?

Das Projekt bringt die Hälfte deiner Endnote, also 50 Prozent (§ 32 Abs. 1 FIAusbV). Im Bereich gilt: Projektarbeit mit Doku 50 Prozent, Präsentation mit Fachgespräch 50 Prozent (§ 28 Abs. 4).

Kann ich ein schwaches Projekt mündlich ausgleichen?

Nein. Eine mündliche Ergänzung gibt es nur für Prozessanalyse, Datenqualität oder WiSo (§ 33 Abs. 2 FIAusbV). Unter 30 Punkten im Projekt ist die Prüfung nicht bestanden (§ 32 Abs. 2). Du darfst sie dann zweimal wiederholen (§ 37 Abs. 1 BBiG).

Quellen dieser Seite: FIAusbV vom 28.02.2020, §§ 4, 5, 28, 32 und 33 (gesetze-im-internet.de) · IHK-AkA, Fachinformatiker/-in Daten- und Prozessanalyse (AO 2020): Fächer und Zeiten (ihk-aka.de), am 20.10.2026 nachgelesen · KMK-Rahmenlehrplan Fachinformatiker/-in und IT-System-Elektroniker/-in vom 13.12.2019, Lernfelder 10c bis 12c · BBiG § 37 Abs. 1 (gesetze-im-internet.de)

Prüfungsregeln: Verordnung über die Berufsausbildung zum Fachinformatiker und zur Fachinformatikerin (vom 28. Februar 2020 (BGBl. I S. 250)), gelesen am 17.09.2026 · Alle Ordnungsmittel: Berufsprofil Fachinformatiker Daten- und Prozessanalyse beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) · Seite zuletzt aktualisiert am 20.10.2026

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Christoph Gründer, Berufsschullehrer, Autor und IHK-Prüfungsausschuss-Mitglied
IHK-Prüfungsvorbereitung für industrielle Ausbildungsberufe Erfolgsstrategien für AP1 und AP2 Ausbildungsqualität verbessern & Abbrüche senken Digitale Lernplattformen & E-Learning Ausbilder mit digitalen Tools entlasten
Education: RWTH Aachen University, TH Köln, Bergisches Berufskolleg Wipperfürth und Wermelskirchen

Christoph Höller ist Experte im Bereich duale Ausbildung. Als ehemaliger Auszubildender mit Auszeichnungen, Ingenieur mit Ausbilderschein, Berufsschullehrer und IHK-Prüfer kennt er das Ausbildungssystem aus allen Perspektiven.

Er ist Gründer der ErfolgsAzubi® Academy, Autor mehrerer Fachbücher und Initiator der größten kostenlosen Azubi-Community Deutschlands mit über 75.500 aktiven Teilnehmern.

Sein Ziel: Azubis systematisch zum Prüfungserfolg führen – und Betriebe dabei unterstützen, bessere Azubis zu entwickeln, Ausbilder spürbar zu entlasten und Ausbildungskosten nachhaltig zu senken.