Industriekaufleute

Mündliche Prüfung Industriekaufleute: Präsentation und Fachgespräch

Auf einen Blick

Nächster schriftlicher Termin Teil 2
(Winter 2026/27)
Marketing, Vertrieb, Personalwesen und kaufmännische Steuerung und Kontrolle
35 %schriftlich · 150 Minuten (§ 11 Abs. 3)
Fachaufgabe im Einsatzgebiet
30 %betrieblich + mündlich · insgesamt 24 Stunden 30 Minuten: Dokumentation höchstens 16 Stunden, Erstellung der Präsentation höchstens 8 Stunden
Wirtschafts- und Sozialkunde
10 %schriftlich · 60 Minuten (§ 13 Abs. 3)
Bezug der Prozente
Anteil am Gesamtergebnis der Abschlussprüfung
Bestanden, wenn
  • Gesamtergebnis von Teil 1 und Teil 2 mindestens ausreichend (50 Punkte)
  • Ergebnis von Teil 2 mindestens ausreichend
  • In mindestens zwei der drei Prüfungsbereiche von Teil 2 mindestens ausreichend
  • In keinem Prüfungsbereich von Teil 2 ungenügend (unter 30 Punkten)

Prüfungsregeln: Verordnung über die Berufsausbildung zum Industriekaufmann und zur Industriekauffrau (§ 8, §§ 10–13, § 14) · Termine: IHK-AkA (Aufgabenstelle für kaufmännische Abschluss- und Zwischenprüfungen) (ohne Gewähr; verbindlich ist die Einladung deiner IHK)

Was die mündliche Prüfung ist

Bei Industriekaufleuten heißt der mündliche Teil „Fachaufgabe im Einsatzgebiet“. Er besteht aus drei Schritten, die aufeinander aufbauen:

  1. Du bearbeitest im Betrieb eine echte Aufgabe aus deinem Einsatzgebiet.
  2. Du schreibst darüber eine Dokumentation.
  3. Du präsentierst das Ergebnis und führst ein Fachgespräch mit dem Prüfungsausschuss.

Dein Einsatzgebiet legt dein Ausbildungsbetrieb fest (§ 4 Abs. 4 IndKflAusbV). Die Aufgabe musst du eigenständig durchführen, der Betrieb bestätigt das.

Hast du vor dem 1. August 2024 angefangen, gilt für dich oft noch die alte Verordnung von 2002. Viele IHKs führen solche Ausbildungen nach der alten Ordnung zu Ende. Dort heißt der Bereich „Einsatzgebiet“, und statt der Dokumentation schreibst du einen Report von höchstens fünf Seiten. Der Report wird nicht bewertet, er ist die Grundlage für Präsentation (10 bis 15 Minuten) und Fachgespräch, zusammen höchstens 30 Minuten (§ 9 Abs. 3 Nr. 4 IndKfmAusbV 2002). Nach welcher Ordnung du geprüft wirst, steht in deiner Einladung, sonst frag deine IHK.

Zeiten und Gewichte

TeilVorgabeAnteil am Bereich
Dokumentation3 bis 5 Seiten plus höchstens 3 Seiten Anlagen, Erstellung höchstens 16 Stunden10 %
PräsentationErstellung höchstens 8 Stunden, Vortrag höchstens 10 Minuten20 %
FachgesprächRest der 30 Minuten nach der Präsentation70 %

Insgesamt hast du für den ganzen Bereich 24 Stunden und 30 Minuten (§ 12 Abs. 7 und 8 IndKflAusbV). Der Bereich zählt 30 Prozent der Abschlussprüfung (§ 14 Abs. 1).

Das Gespräch zählt also am meisten. Eine schöne Präsentation rettet kein schwaches Gespräch.

Was der Ausschuss sehen will

§ 12 Abs. 1 IndKflAusbV beschreibt drei Fähigkeiten. Daran misst der Ausschuss Dokumentation, Präsentation und Gespräch:

  1. Du planst eine komplexe Fachaufgabe, führst sie durch und wertest sie aus.
  2. Du vergleichst Lösungen und triffst eine begründete Auswahl. Dabei denkst du an Recht, Kosten, Umwelt und Menschen.
  3. Du reflektierst dein Vorgehen, dokumentierst es und bewertest dein Ergebnis.

Eine Aufgabe ohne echte Auswahl zwischen Lösungen macht Punkt 2 schwer. Achte schon bei der Themenwahl darauf.

Der Weg bis zum Prüfungstag

  1. Thema finden: Such dir eine Aufgabe mit einer echten Entscheidung, zum Beispiel einen Angebotsvergleich oder eine neue Abrechnung. Reine Routine trägt nicht.
  2. Antrag stellen: Beschreibe kurz Aufgabe, Ziel und berührte Prozesse. Warte auf die Genehmigung, bevor du loslegst.
  3. Aufgabe durchführen: Halte Zahlen, Termine und Gründe fest, während du arbeitest. Später fehlen sie dir sonst.
  4. Dokumentation schreiben: Drei bis fünf Seiten, spätestens am ersten Tag von Teil 2 mit der Bestätigung des Betriebs bei der IHK.
  5. Präsentation bauen: Wenige Folien, eine Botschaft je Folie, höchstens zehn Minuten.
  6. Gespräch üben: Lass dich von Kollegen ausfragen, die deine Aufgabe nicht kennen.

Ob dein Thema trägt, prüfst du mit dem Themen-Check Fachaufgabe im Einsatzgebiet.

Typische Fragen im Fachgespräch

Wir haben die Fragen selbst formuliert. Sie zeigen, in welche Richtung ein Ausschuss nachhakt:

  • „Welche anderen Lösungen haben Sie geprüft, und warum fiel die Wahl auf diese?“
  • „Wie haben Sie die Kosten ermittelt? Rechnen Sie uns das bitte kurz vor.“
  • „Welche Abteilungen waren eingebunden, und wer hat am Ende entschieden?“
  • „Was wäre passiert, wenn der Lieferant nicht pünktlich geliefert hätte?“
  • „Wie würde sich Ihre Lösung auf die Buchhaltung auswirken?“
  • „Was würden Sie heute anders machen?“

Der Ausschuss will sehen, dass du über deinen Fall hinausdenkst. Verbinde deine Aufgabe deshalb mit den Prozessen davor und danach.

Beispiel: eine Antwort mit Struktur

Fall: Deine Fachaufgabe war der Vergleich von zwei Lieferanten für Verpackungsmaterial.

Frage: „Warum haben Sie nicht einfach den günstigsten Lieferanten genommen?“

Gute Antwort: „Ich habe drei Kriterien gewichtet: Preis, Lieferzeit und Qualität. Lieferant B war 4 Prozent teurer. Er lieferte aber in drei statt acht Tagen. Damit konnten wir den Sicherheitsbestand senken. Unterm Strich war B günstiger. Entschieden hat der Einkaufsleiter auf Basis meiner Auswertung.“

Die Antwort nennt Kriterien, eine Zahl, die Folge für den Betrieb und die Rolle der Beteiligten.

Präsentation in zehn Minuten

  • Minute 1: Ausgangslage und Ziel.
  • Minute 2 bis 6: Vorgehen und deine wichtigste Entscheidung.
  • Minute 7 bis 9: Ergebnis mit Zahlen.
  • Minute 10: Was du gelernt hast und was offen bleibt.

Übe mit Stoppuhr. Die Präsentation soll zehn Minuten nicht überschreiten (§ 12 Abs. 7 IndKflAusbV).

Lernplan bis zum Gespräch

Setz dir fünf Wochen vor dem Termin diese Etappen:

  1. Woche 1: Dokumentation noch einmal lesen und alle Zahlen nachrechnen.
  2. Woche 2: Präsentation fertig machen und einmal vor dem Ausbilder halten.
  3. Woche 3: Zwanzig mögliche Fragen sammeln und je in drei Sätzen beantworten.
  4. Woche 4: Angrenzende Prozesse wiederholen, etwa Buchhaltung, Lager und Vertrieb.
  5. Woche 5: Generalprobe mit Präsentation und Fragen, am besten vor Fremden.

Fürs Fachwissen rund um deine Aufgabe hilft die Prüfungssimulation Industriekaufleute. Ob deine Punkte am Ende reichen, zeigt der Notenrechner Industriekaufleute.

Krank oder nicht bestanden

Kannst du am Tag des Gesprächs nicht kommen, sag es deiner IHK sofort. Bei Krankheit brauchst du ein ärztliches Attest (§ 23 Abs. 5 Musterprüfungsordnung). Ohne wichtigen Grund wird der Termin mit 0 Punkten bewertet.

Eine mündliche Ergänzungsprüfung ist für die Fachaufgabe nicht vorgesehen (§ 15). Reicht das Gesamtergebnis nicht, darfst du die Abschlussprüfung zweimal wiederholen (§ 37 Abs. 1 BBiG). Alles dazu steht auf der Seite Abschlussprüfung Teil 2 Industriekaufleute. Gegen Nervosität vor dem Auftritt hilft die Seite Prüfungsangst.

Prüfungsvorbereitung Industriekaufleute

Ein paar Prüfungstage entscheiden über die Note in deinem IHK-Zeugnis – und darüber, ob du ein Jahr dranhängst. Üb die Prüfung deshalb vorher, im Format, in dem sie kommt.

Für Industriekaufleute gibt es derzeit keinen ErfolgsAzubi-Kurs. Was es gibt: alle Termine mit Erinnerung, der Notenrechner nach deiner Ausbildungsordnung und die Hinweise zur Prüfungsangst.

Häufige Fragen: Mündliche Prüfung – Industriekaufleute

Welche Fragen stellen die Prüfer im Fachgespräch einer Industriekauffrau?

Fast alle Fragen hängen an deiner eigenen Fachaufgabe. Der Ausschuss fragt, warum du so entschieden hast, wie du gerechnet hast und welche Abteilungen betroffen waren. Dazu kommen Fragen zu Prozessen, die deine Aufgabe berühren.

Wann ist die mündliche Prüfung für Industriekaufleute?

Den Termin für Präsentation und Fachgespräch legt deine IHK fest, nicht die Aufgabenstelle. Die schriftlichen Bereiche von Teil 2 schreibst du am 24.11.2026.

Wie lange dauern Präsentation und Fachgespräch?

Zusammen 30 Minuten. Die Präsentation darf höchstens 10 Minuten dauern, der Rest gehört dem Gespräch (§ 12 Abs. 7 IndKflAusbV).

Wie wird die Fachaufgabe im Einsatzgebiet bewertet?

Die Dokumentation zählt 10 Prozent, die Präsentation 20 Prozent und das Fachgespräch 70 Prozent des Bereichs (§ 12 Abs. 8). Der ganze Bereich trägt 30 Prozent des Gesamtergebnisses.

Muss das Thema genehmigt werden?

Ja. Vor der Durchführung reichst du einen Antrag mit einer kurzen Beschreibung der Aufgabe, des Ziels und der berührten Prozesse ein. Der Prüfungsausschuss genehmigt ihn (§ 12 IndKflAusbV). Fristen und Portal regelt deine IHK.

Wie lang darf die Dokumentation sein?

Drei bis fünf Seiten. Dazu kommen höchstens drei Seiten praxisübliche Unterlagen als Anlage (§ 12 IndKflAusbV).

Was passiert, wenn die Fachaufgabe schlecht ausfällt?

Unter 30 Punkten ist die ganze Abschlussprüfung nicht bestanden (§ 14 Abs. 2 Nr. 4). Zwischen 30 und 49 Punkten kannst du noch bestehen. Dann brauchen der große schriftliche Bereich und WiSo je mindestens 50 Punkte, Teil 2 und Gesamtergebnis ebenso.

Muss ich als Industriekaufmann einen Report schreiben?

Nach der Verordnung von 2024 nicht. Dort heißt es Dokumentation, drei bis fünf Seiten, und sie zählt 10 Prozent des Bereichs (§ 12 IndKflAusbV). Den Report von höchstens fünf Seiten, der nicht bewertet wird, kennt die alte Verordnung von 2002. Sie gilt oft noch für Ausbildungen mit Beginn vor dem 1. August 2024.

Gibt es eine mündliche Ergänzungsprüfung für die Fachaufgabe?

Nein. Die Ergänzung ist nur im großen schriftlichen Bereich oder in WiSo möglich (§ 15). Die Fachaufgabe musst du im ersten Anlauf überzeugend schaffen.

Quellen dieser Seite: IndKfmAusbV vom 23.07.2002, § 9 Abs. 3 Nr. 4 (Report, Präsentation, Fachgespräch); außer Kraft seit 1. August 2024 (§ 16 IndKflAusbV) · IndKflAusbV vom 12.03.2024, § 4 Abs. 4, §§ 12, 14, 15 (gesetze-im-internet.de) · Musterprüfungsordnung des BIBB-Hauptausschusses vom 07.10.2025, § 23 (bibb.de); BBiG § 37 (gesetze-im-internet.de)

Prüfungsregeln: Verordnung über die Berufsausbildung zum Industriekaufmann und zur Industriekauffrau (vom 12. März 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 94); Altverträge vor dem 1. August 2024: IndKfmAusbV vom 23. Juli 2002 (BGBl. I S. 2764)), gelesen am 17.09.2026 · Alle Ordnungsmittel: Berufsprofil Industriekaufleute beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) · Seite zuletzt aktualisiert am 20.10.2026

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Christoph Gründer, Berufsschullehrer, Autor und IHK-Prüfungsausschuss-Mitglied
IHK-Prüfungsvorbereitung für industrielle Ausbildungsberufe Erfolgsstrategien für AP1 und AP2 Ausbildungsqualität verbessern & Abbrüche senken Digitale Lernplattformen & E-Learning Ausbilder mit digitalen Tools entlasten
Education: RWTH Aachen University, TH Köln, Bergisches Berufskolleg Wipperfürth und Wermelskirchen

Christoph Höller ist Experte im Bereich duale Ausbildung. Als ehemaliger Auszubildender mit Auszeichnungen, Ingenieur mit Ausbilderschein, Berufsschullehrer und IHK-Prüfer kennt er das Ausbildungssystem aus allen Perspektiven.

Er ist Gründer der ErfolgsAzubi® Academy, Autor mehrerer Fachbücher und Initiator der größten kostenlosen Azubi-Community Deutschlands mit über 75.500 aktiven Teilnehmern.

Sein Ziel: Azubis systematisch zum Prüfungserfolg führen – und Betriebe dabei unterstützen, bessere Azubis zu entwickeln, Ausbilder spürbar zu entlasten und Ausbildungskosten nachhaltig zu senken.